Miroslav Volf

Miroslav Volf ist ein einflussreicher evangelikaler, anglikanischer Theologe, bekannt für seine Arbeiten über Systematische Theologie. Aufgrund seiner Erfahrungen im Kroatienkrieg vertritt er eine Theologie der Vergebung und Gewaltlosigkeit. Gegenwärtig ist er Henry B. Wright Professor of Theology an der Yale University und Direktor des Yale Center for Faith and Culture.

Miroslav Volf wurde in Osijek in Kroatien geboren, wuchs im kommunistischen Serbien als Sohn eines Pastors einer Pfingstkirche auf. Als Jugendlicher wurde er stark beeinflusst durch seinen späteren Schwager Peter Kuzmic, einem führenden osteuropäischen evangelikalen Theologen, der unter anderem das evangelisch-theologische Seminar in Osijek gründete, an dem Volf 1977 seinen Bachelor of Arts machte.

Zwischen dem Master of Arts am Fuller Theological Seminary 1979 und dem Doktorat summa cum laude an der Universität Tübingen unter Jürgen Moltmann 1986 leistete er in Jugoslawien Militärdienst, wo er als bekennender Christ und aufgrund seines Auslandsstudiums starken Repressionen ausgesetzt war.

Von 1979 bis 1991 lehrte er am evangelisch-theologischen Seminar in Osijek und war von 1984 bis1989 gleichzeitig Herausgeber einer christlichen Zeitschrift. 1991 musste das gesamte Seminar aus Osijek fliehen und kam in ein abgelegenes reformiertes Pfarrhaus in Slowenien, wo Volf mit seiner Frau und sechs Studenten in einem Raum lebte, während sie am Fernseher sehen mussten, wie ihre eigenen Häuser im 150 km entfernten Krieg zerstört wurden. Volf selbst war in diesem Krieg nicht Partei, er stammte aus einer ethnisch gemischten Familie und war als Angehöriger einer traditionell pazifistischen Freikirche auch in der Konfession weder katholisch-kroatisch noch orthodox-serbisch festgelegt, aber er erlebte, wie sich seine Studenten und seine christlichen Freunde durch den Krieg in Serben und Kroaten spalteten. Diese Kriegserfahrung prägt seine Theologie bis heute.

Ab 1991 lehrte er am Fuller Theological Seminary Systematische Theologie. 1994 habilitierte er in Tübingen unter Moltmann und war dann Professor am Fuller Theological Seminary, bis er 1998 nach Yale berufen wurde.

Sein Buch Exclusion and Embrace über das Thema Vergebung und Versöhnung wurde von Christianity Today als eines der 100 besten religiösen Bücher des 20. Jahrhunderts gewählt.

Volf wuchs als Mitglied der pfingstlerischen evangelischen Kirche von Kroatien auf. In den Vereinigten Staaten trat er erst der Presbyterian Church bei und ist heute Mitglied der Episcopal Church. Volf ist verheiratet und hat zwei Adoptivkinder.

 

Von ihm herausgegebene Bücher in Deutsch erhältlich:

  • Theologie auf dem Weg in das dritte Jahrtausend Gütersloh: Christian Kaiser, 1996
  • Trinität und Gemeinschaft. Eine ökumenische Ekklesiologie Mainz/Neukirchen-Vluyn: Grünewald/Neukirchener, 1996
  • Wir sind die Kirche! : Eine ökumenische Untersuchung über Kirche als Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Geist und Schöpfung. Die Oxford-Erklärung zur Frage von Glaube und Wirtschaft (Hrsg. mit Hermann Sautter) Wuppertal: Brockhaus, 1992
  • Zukunft der Arbeit -- Arbeit der Zukunft. Der Arbeitsbegriff bei Karl Marx und seine theologische Wertung, München/Mainz: Christian Kaiser, 1988